Warum immer mehr Menschen nur funktionieren, aber innerlich am Limit arbeiten
Deutschlands Büroetagen stehen unter Dauerstrom. Transformation, Digitalisierung, Personalmangel, Kostendruck: Die Liste der Herausforderungen wächst, die Erholungsphasen schrumpfen. Was nach außen wie Leistungsfähigkeit aussieht, ist für viele Arbeitnehmende ein permanenter Ausnahmezustand.
Überlastung ist längst kein Einzelfall mehr, sondern Struktur.
„Viele Arbeitnehmende leben in einem Arbeitsmodus, für den der menschliche Körper nicht gebaut ist“, sagt Change- und Transformationsexperte Oliver M. Jacob. „Sie funktionieren, aber sie regenerieren nicht mehr. Und genau das wird zum Risiko für Unternehmen.“
Während Firmen immer schneller neue Strategien ausrollen, bleibt eine zentrale Ressource unbeachtet: die Energie der Menschen, die diese Strategien umsetzen sollen. Krankmeldungen wegen psychischer Belastung steigen. Erschöpfung wird normalisiert. Wer mithält, gilt als stark. Wer ausfällt, als Ausnahme – obwohl das System selbst auf Dauerüberlastung ausgelegt ist.
Die Folgen zeigen sich leise. Entscheidungen werden vorsichtiger. Konflikte schwelen länger. Innovation wird risikoscheuer. Veränderung verliert Tempo. Nicht, weil der Wille fehlt – sondern weil die Kraft fehlt. „Ein erschöpfter Mensch kann keine Transformation tragen“, sagt Oliver M. Jacob. „Er kann nur versuchen, den Status quo zu stabilisieren.“
Gerade in Zeiten radikalen Wandels wird das zum wirtschaftlichen Problem. Unternehmen investieren Milliarden in Technologien und Change-Projekte, doch die menschliche Belastungsgrenze bleibt konstant. Der Körper kennt keine Software-Updates.
Was viele Organisationen noch als individuelles Gesundheitsproblem betrachten, ist in Wahrheit ein strukturelles Problem. Arbeitsmodelle stammen aus einer Zeit, in der Veränderung die Ausnahme war. Heute ist sie Dauerzustand.
„Wir erwarten von Arbeitnehmenden Hochleistung, bauen aber Systeme, die Erholung verhindern“, so Oliver M. Jacob. „Das ist, als würde man ein Auto dauerhaft im roten Drehzahlbereich fahren und sich wundern, wenn der Motor irgendwann ausfällt.“
Die Frage ist nicht mehr, ob Unternehmen sich um die Energie ihrer Arbeitnehmenden kümmern sollten. Sondern wie lange sie es sich leisten können, es nicht zu tun.
Oliver Jacob, geboren und wohnhaft in Essen, ist seit 2020 Coach für Veränderungsmanagement, Leistungssteigerung und Transformation. Als langjähriger HR-Manager, Gesundheitscoach und Public Speaker beschäftigt er sich mit den Herausforderungen, die Menschen und Unternehmen bei der Umsetzung von Veränderungen haben. Sein Fokus liegt auf der Schaffung realistischer und nachhaltiger Maßnahmen, die zu einer erfolgreichen Umsetzung führen.
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